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14.10.2017: Und dann holen die Musberger den „Hammer“ raus

Bericht aus der Filder-Zeitung zum 15:14-Sieg gegen den TSV Fellbach.

Die zweite Mannschaft hat gegen Fellbach II mit 31:20 gewonnen.

In einem an Dramatik kaum zu überbietendem Spitzenduell der Verbandsliga gewinnt der Filderclub gegen den SV Fellbach mit 15:14. Zu den großen Gewinnern des Abends avancieren Stefan Stäbler und überraschend Tim Dennis Voelker.

Bericht von Susanne Degel, Filder-Zeitung, Ausgabe 16.10.2017

Vielleicht hat Tariel Shavadze, der Ringer-Trainer des SV Fellbach, seinen am vergangenen Mittwoch in Bulgarien erkämpften Seniorenweltmeister-Titel einfach ein wenig zu heftig gefeiert. Vielleicht aber hat der 47-jährige Georgier den 23 Jahre jüngeren Tim Dennis Voelker vom TSV Musberg im Spitzenkampf der beiden bislang noch ungeschlagenen Verbandsligisten auch schlichtweg unterschätzt. Fakt ist, dass der junge Musberger, auf den vor seinem Duell wohl kaum einer auch nur einen Pfifferling gesetzt hätte, nach sechs Minuten mit einem 1:0-Punktsieg (3:2-Wertung) von der Matte ging und damit einer der großen Gewinner des Abends war. Am Ende stand es hauchdünn 15:14 für die Gastgeber. Damit haben jene weiter beste Chancen, in dieser Saison ihren dritten Aufstieg in Serie feiern zu können.

Der zweite Akteur, der der am Samstag die voll besetzte Halle zum Brodeln brachte, war Stefan Stäbler. Ihn hatte der Trainer Markus Scheibner diesmal nicht im Schwergewicht aufgeboten, sondern in der 86-Kilo-Klasse. Ein  Aufstellungspoker, der zunächst daneben zu gehen schien. Denn anstatt wie gehofft so auf den Fellbacher Aron Heumann zu treffen, hatte Scheibners Amtskollege Shavadze seinen starken Neuzugang Marko Filipovic ebenfalls vom Schwergewicht in die zwei Klassen niedrigere Gewichtsklasse beordert. Dumm gelaufen? Im Nachhinein war klar: ja – allerdings für die Gäste. Nicht Scheibner hatte sich verzockt, sondern Shavadze. „Filipovic hätte im Schwergewicht gegen Stefan Sigler mehr Punkte gemacht als Heumann“, ist Scheibner überzeugt.

Stäbler rang derweil auch Filipovic nieder. Nachdem beide bis zur Pause keine Wertung erzielt hatten, brannte der Musberger ein Feuerwerk an Griffen ab, sodass ihn der Kampfrichter Hamdan Iflazoglu (SV Ebersbach) vorzeitig unter lauthals jubelnden Anhängern zum Überlegenheitssieger kürte. Anteil an diesem Erfolg hatte auch Stäblers Bruder Frank. Nachdem der Doppelweltmeister am Freitag seine Grundausbildung bei der Bundeswehr beendet hatte, ließ er sich den Spitzenkampf nicht entgehen. „Ich habe Stefan in der Pause gesagt, dass er seinen Gegner brechen kann“, sagte der 27-Jährige. Und da habe der Bruder auch „den Hammer“ rausgeholt. Es war ein Auftritt, der letztlich auch den Teamkollegen Voelker für seinen Kampf beflügelte. „Ich war so motiviert und wusste, dass ich ebenfalls gewinnen muss“, sagte er.

Dabei hatte nach den ersten fünf Kämpfen des Abends nicht mehr viel für die Musberger gesprochen. Mit 3:10 lagen sie bereits zurück, nachdem lediglich der am Morgen für den kurzfristig privat verhinderten Sokratis Molochidis eingesprungene Michael Böpple einen Punktsieg gelandet hatte. „Jetzt wird es ganz schwer“, sagte der Musberger Ringerchef Klaus Kihr. Doch als Stäbler und Voelker auf 8:10 verkürzten, erhellte sich auch seine Miene wieder. Zwar verlor hernach Kevin Hiller unnötig deutlich gegen Joshua Uebelhör, weshalb sich der Musberger auch einiges von seinem Trainer anhören musste. Adrian Moise sorgte mit seinem Überlegenheitssieg aber für ein Finale, das beim Gesamtstand von 12:14 an Dramatik und Nervenkitzel kaum zu überbieten war.

Im zehnten und letzten Kampf musste also die Entscheidung fallen. Und André Ehrmann hielt dem Druck stand. Nach fünf Minuten führte er mit 8:0, was einen Drei-Punkte-Sieg bedeutete. Angefeuert von seinen Teamkollegen und dem Publikum ließ er schließlich auch nichts mehr anbrennen. „Er hat seinen Gegner regelrecht niedergekämpft“, sagte Dieter Böpple, der sportliche Leiter der Musberger.

Derweil strahlte Scheibner: „Ich bin super glücklich, dass wir gewonnen haben.“ Ein Lob hatte er noch für Oliver Runge. Der hatte auf die Schnelle drei Kilogramm abgekocht. Um in der 61-Kilo-Klasse auflaufen zu können. Dort unterlag er zwar dem international erfahrenen Bachana Putkaradze, gab aber nur zwei Zähler ab. „Jeder andere von uns hätte vier Punkte verloren“, sagte Scheibner.

Moralischen Beistand hatte jener übrigens auch vom Vereinsvorsitzenden Joachim Beckmann erhalten – durchaus bemerkenswert, nachdem Ringer und Hauptverein in der Vergangenheit ja lange im Clinch gelegen waren. Beckmann hatte ein gutes Händchen bei der Aufstellung gewünscht. Und was sagte das Aushängeschild Frank Stäbler nach dem Wettkampf? „Es war einfach nur geil, hier zu sein.“

Alle Einzelergebnisse wie immer in liga-db.de:

Bericht aus Sicht des SV Fellbach (Link auf die Internetseite des SV Fellbach)